Ungarn - wohin?

Podiumsgespräch »Ungarn - wohin?«

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Magdalena Marsovszky (Kulturwissenschaftlerin, Lehrbeauftragte der Hochschule Fulda - University of Applied Sciences, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften)
Iván Fischer (Chefdirigent Budapest Festival Orchestra, Chefdirigent National Symphony Orchestra in Washington, D.C., und designierter Chefdirigent Konzerthausorchester Berlin (ab der Saison 2012/13))
Prof. Paul Lendvai (Publizist, Wien)
Romani Rose (Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, Heidelberg)
Dr. Michael Kluth (Fernsehjournalist und Filmautor, Bonn)
Dr. Peter Spary (Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft, Bonn)

Moderation:
Robert C. Schwartz
(Leiter der Rumänischen Redaktion der Deutschen Welle)

Als Franz Liszt am 22. Oktober 1811 in Raiding geboren wurde, gehörte der kleine Ort noch zum ungarischen Kronland, das Teil des Kaisertums Österreich war. Obwohl er die ungarische Sprache nur mäßig beherrschte, hatte er zeitlebens eine große Affinität zur Kultur und Geschichte Ungarns und ließ sich in zahlreichen Kompositionen von der Musik des Landes inspirieren. Bei aller Emphase für das Land seiner Herkunft war er aber vor allem einer der ersten echten Europäer, der immer Wert darauf legte, überall zu Hause zu sein, und Menschen unabhängig von ihrer Nationalzugehörigkeit beurteilte. Nach dem Ersten Weltkrieg musste Ungarn zwei Drittel seines Territoriums an Nachbar- und Nachfolgestaaten abtreten. Raiding und das gesamte Burgenland etwa wurden Österreich zugesprochen. Diesen Gebietsverlust haben viele Ungarn der nachfolgenden Generationen nie verwunden. Franz Liszts Begeisterung für Ungarn hingegen war von revanchistischen Gefühlen ungetrübt. Seine Toleranz und Offenheit sind inzwischen zum Fundament eines vielfältig institutionalisierten europäischen Staatenverbandes geworden, der auch Ungarn umfasst. Seit geraumer Zeit und erst recht seit dem Regierungswechsel im April 2010 vernimmt man von dort allerdings nationalistische und rassistische Töne. Übergriffe gegen Minderheiten und Andersdenkende, gegen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle nehmen massiv zu. Künstler und Intellektuelle, die den Kurs der Regierung nicht mittragen, werden beschimpft und verlieren ihre Arbeitsstellen. Anlässlich des 200. Geburtstags von Franz Liszt hat das Beethovenfest Bonn viele Künstler aus Ungarn ebenso wie Sinti und Roma-Musiker eingeladen und fühlt sich gleichzeitig verpflichtet, die Einschränkung der Freiheit in Ungarn – nicht nur der künstlerischen – auch nach dem Ende der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft nicht aus dem Blick zu verlieren. Es diskutierten namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zugleich intime Kenner der ungarischen Kultur, Politik und Gesellschaft.

 

Der Online-Dienst der Deutschen Welle hat einen Artikel zum Podiumsgespräch und ein Interview mit dem Dirigenten Iván Fischer veröffentlicht, einem der Teilnehmer der Diskussion »Ungarn – wohin?«.

Artikel zum PodiumsgesprächInterview mit dem Dirigenten Iván Fischer